KL-Aktuell

„Ich habe mich bereit gefühlt“

Marcel Gaus, Du bist nach der langen Verletzungspause endlich wieder zurück auf dem Platz. Wie waren für Dich persönlich die letzten Monate und die lange Zeit ohne Fußball?
Ich glaube, wenn

man zehn Monate Pause hat, hat man eine Menge Zeit zum Nachdenken. Es ging teilweise bergauf, teilweise aber auch wieder bergab. Es war sehr schwierig, die Rückschläge zu verstehen, die ich selber in dieser Phase hatte, aber ich bin nichtsdestotrotz durchweg positiv geblieben. Ich hatte einen starken Halt von zu Hause, durch meine Freunde, aber vor allem auch durch meine Frau. Von daher hatte ich auch nicht wirklich das Gefühl, dass ich in ein Loch falle – eher im Gegenteil: Letztendlich habe ich die Verletzung und die Rückschläge immer wieder als Motivation genommen, um trotzdem schnellstmöglich wieder zurückzukommen. Ich denke am Ende war es auch einfach der richtige Schritt, die Verletzung komplett ausheilen zu lassen, um nicht wieder einen Rückschlag zu riskieren.

Wie leicht oder schwierig ist es für einen Fußballer, sich während so einer langen Phase zu motivieren und weiter am Comeback zu arbeiten?
Das ist meiner Meinung nach eine Frage des Typs. Es gibt mit Sicherheit Typen, die sich mit anderen Dingen ablenken, um mit so einer Verletzung klar zu kommen. Ich persönlich habe mich nur darauf konzentriert, an meiner Gesundheit zu arbeiten. Natürlich hast du während so einer Verletzungspause auch die Gelegenheit, über alles intensiv nachzudenken und sich zu überlegen, was man besser machen kann. Das sind oft Kleinigkeiten, kleine Bauteile an denen man trotzdem weiterarbeiten kann. Mich haben dann auch die Rückschläge nicht großartig nach unten gezogen, weil ich selbst ein Typ bin, der keine Motivation von außen braucht, sondern sich selbst immer wieder pusht. Und ich denke, wenn man sich selber nicht mehr motivieren kann, ist man ohnehin fehl am Platz.

Wie verlief für Dich die Reha in der Südpfalz?
Ich war zweimal sechs Wochen dort vor Ort. Ich habe tagtäglich acht bis zehn Stunden gearbeitet und trainiert und ich denke, es war rückblickend betrachtet auch eine sehr gute Erfahrung. Es war mir persönlich auch sehr wichtig, dass ich die Reha außerhalb von Kaiserslautern mache. Dort wirst du nicht ständig mit dem Thema konfrontiert und darauf angesprochen, wie es einem geht, sondern kannst in Ruhe und professionell deine Arbeit machen und dich nur auf dich selbst konzentrieren.

Hat sich durch die Verletzung irgendetwas in Deiner Einstellung oder Wahrnehmung geändert?
Ich weiß auf jeden Fall zu schätzen, wie geil es ist, gesund zu sein. Wenn man selber lange Zeit verletzungsfrei ist, kommt man in gewisser Weise in so eine Art Alltag hinein und sieht die Gesundheit als etwas Selbstverständliches an. Ich denke, dass es vielen so geht, die lange Zeit verletzt waren, dass man gerade in der Anfangszeit jeden Moment wieder genießt, in denen man mit der Mannschaft zusammen sein und endlich wieder auf dem Platz stehen kann.

Du hast Dir während dieser Zeit viele Spiele von der Tribüne aus angucken müssen. Wie nimmt man das als ein so ehrgeiziger Spieler wie Du wahr, wenn man selbst nicht eingreifen kann?
Angefangen hat das ja bereits in der vergangenen Saison. Du sitzt draußen und bist dann in gewisser Weise einfach Fan, wie die meisten anderen auch. Letztendlich sind dir die Hände gebunden. Ich habe mit dem Team guten Kontakt gehalten, aber wenn du unterm Strich auf dem Platz nicht aktiv mitwirken kannst, ist es schwierig, Kontrolle oder Einfluss zu nehmen. Von daher war es für mich auch grausam mitanzusehen, wie wir letzte Saison die Ziele nicht erreicht haben, die wir dann am Ende vor Augen hatten. Aktuell war es dann so, dass wir einen guten Start hingelegt haben, im Pokal eine Runde weitergekommen sind und dann einfach keine Ergebnisse mehr erzielen konnten. Dann ist es natürlich frustrierend, wenn man sieht, dass es den Jungs – warum auch immer – nicht gelingt, ihre Qualität, die sie haben, auf den Platz zu bringen. Von daher bin ich schon froh, endlich wieder auf dem Platz zu stehen.

Wie hast Du insbesondere das Heimspiel gegen Paderborn und die Reaktionen der Fans wahrgenommen?
Letztendlich kann ich irgendwo beide Seiten verstehen. Dass das Spiel sicherlich kein Leckerbissen war, darüber brauchen wir nicht zu reden. Nichtsdestotrotz haben wir die Partie gewonnen und es war zu diesem Zeitpunkt eine Situation, über die sich sicherlich viele Vereine gefreut hätten. Natürlich ist es nicht unser Anspruch, so zu spielen, wie wir gespielt haben, aber im Vordergrund steht am Ende für mich immer das Ergebnis. Die Fans haben natürlich das Recht, ihrem Unmut Luft zu machen; in welcher Form sie das tun, sei dahingestellt. Insgesamt ist mir das Thema dann im Nachhinein auch von den Medien etwas zu heiß gekocht worden. Die Fans haben ihre Seite dargestellt, wir als Mannschaft unsere und dann muss auch wieder gut sein. Umso glücklicher bin ich daher, dass das Thema inzwischen abgehakt ist.

Vor dem Spiel gegen Bochum in der Englischen Woche hat mit Konrad Fünfstück ein neuer Coach das Traineramt bei den Roten Teufeln übernommen. Wie hast Du persönlich den Wechsel wahrgenommen, der in einer Phase vollzogen wurde, in der Du gerade wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen bist?
Ich bin ganz ehrlich: Ein Trainerwechsel ist nie eine schöne Sache. Wir haben in den vergangenen zwei Jahren viel und gut mit Kosta Runjaic gearbeitet – auch auf einer persönlichen Ebene. So ein Wechsel gehört dennoch zum Geschäft irgendwie dazu, damit muss man umgehen können und es geht immer weiter. Wir haben jetzt ziemlich schnell als Mannschaft die richtige Antwort gegeben und mit den beiden Siegen zuletzt selber dafür gesorgt, dass es wieder etwas ruhiger geworden ist. Am Ende sind wir sehr dankbar für die Zeit unter Kosta, weil ich denke, dass er fußballerisch jeden Einzelnen von uns weitergebracht hat.

Wie hat sich die Veränderung auf der Trainerposition bei Euch als Mannschaft ausgewirkt?
Konrad Fünfstück hat gerade in den ersten Tagen sehr viel mit uns gesprochen. Es war natürlich schwierig, während der Englischen Woche tiefgreifende Maßnahmen zu ergreifen, deshalb hat er sich darauf konzentriert, an unsere Qualität zu appellieren, die zweifellos vorhanden ist und von uns gefordert, dass wir uns auf das fokussieren, was wir können. Vom Spielstil her haben wir es dann auch nochmal etwas anders gemacht. Natürlich kann da jetzt noch nicht alles perfekt greifen, aber ich denke, dass man schon sieht, dass jeder für den anderen kämpft, marschiert und wir alles dafür tun, die Punkte zu behalten. Aber auch wenn wir jetzt zweimal gewonnen haben, sind wir noch weit davon entfernt, dass bei uns die Euphorie in der Kabine ausbricht. Da brauchen wir nur auf die Tabelle zu schauen und wissen, dass noch ein ganzes Stück Arbeit vor uns liegt.

Welche Marschroute hat Euch Konrad mit auf den Weg gegeben?
Er vermittelt uns viel Selbstvertrauen. Letztendlich geht im Fußball sehr viel über den Kopf, der ist nach den Ergebnissen zuletzt sicherlich wieder etwas freier geworden. Unser Spielstil ist aktuell auch eher auf Kampf und Aggressivität ausgelegt, aber auch auf unsere Qualität, in den richtigen Momenten die richtigen Spielzüge zu ziehen, was uns zuletzt auch gut gelungen ist. In den nächsten Wochen werden und müssen wir jetzt weiter an diesem Spielstil arbeiten und uns verbessern.

Konrad hat Dich in beiden Partien unter seiner Regie direkt in die Startelf gesetzt. Wie überraschend war es für Dich persönlich, quasi den Tribünensitz direkt für den Platz auf dem Rasen einzutauschen?
Ehrlich gesagt kam das schon etwas überraschend. Ich war ursprünglich eingeplant, zunächst beim Auswärtsspiel der U23 in Walldorf Fuß zu fassen und Spielpraxis zu sammeln. Wir waren zu dem Zeitpunkt also schon soweit, dass man sagen konnte, es reicht für einen Einsatz unter Wettkampfbedingungen. Dann kam allerdings Konni nach seinem ersten Training direkt zu mir und hat mich gefragt, wie es mir geht und wie ich mich fühle. Dann ging es relativ schnell in die Richtung, dass er mich für das Bochum-Spiel einplant. Letztendlich habe ich mich auch bereit gefühlt und ich denke mal, dass das auch das entscheidende Kriterium ist. Ich habe auf mein Gefühl gehört, er auf seins und wir sind schlussendlich auch dafür belohnt worden.

Während Deiner beiden Einsätze zuletzt hatte man das Gefühl, als seist Du nie wirklich weggewesen. Kann man die zehn Monate davor einfach so ausblenden?
Ich habe gerade die letzten drei, vier Monate vor dem Comeback extrem hart gearbeitet und da geht es nicht darum, was man verlieren könnte, sondern im Endeffekt konnte ich nur alles gewinnen. Ich glaube, es war ein Stück weit auch eine Situation, in der ich der Mannschaft mit meiner Art helfen konnte und wenn man dann endlich wieder auf dem Platz steht, vergisst man vor Freude und Adrenalin ohnehin alles, was vorher war. Dann knallt man alles rein, was man hat.

Wie gelegen oder ungelegen kam Euch und dem Trainerteam nun die Länderspielpause?
Es war schon in Ordnung, dass wir nun die zwei Wochen haben, um auch intensiver trainieren zu können und den Trainer auch etwas besser kennen zu lernen. Wichtig war dann natürlich auch, dass wir mit zwei Siegen in die Länderspielpause gehen und uns so voll auf die Arbeit mit dem neuen Trainer konzentrieren konnten.

Welche Ziele hast Du Dir aktuell für die kommende Zeit gesetzt?
Ich denke mal, dass es nach der langen Verletzungszeit erst einmal angebracht ist, dass man von Spiel zu Spiel schaut. Mein Körper hat nach den beiden Spielen auf jeden Fall sehr gut reagiert, ich konnte auch den konditionellen Rückstand wieder etwas aufholen. Darüber hinaus gab es endlich wieder Spielpraxis, die kann man natürlich nicht simulieren, die gibt es nur im Spiel. Ich denke, wir tun gut daran, wenn wir uns jetzt darauf beschränken, uns auf das nächste Spiel zu konzentrieren. Da wartet nun Sandhausen und wie wir aus den vergangenen Jahren wissen, wird das traditionell ganz schwierig und wir müssen alles reinwerfen, um dort etwas mitzunehmen.

Quelle: http://fck.de/de/1-fc-kaiserslautern/aktuell/news/news-details/news/detail/News/ich-habe-mich-bereit-gefuehlt.html


 

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